*Gesundheitsnachrichten:
Artikel: 'Körper und Seele im Lot'
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Hängende Schultern, Bandscheibenvorfälle, runde Rücken, Verschleisserscheinungen und Fehlhaltungen, wohin das Auge schaut. Rückenschmerzen und Verspannungen aller Art scheinen zu unserem Alltag zu gehören.
Aber wir müssen uns nicht lebenslang mit einem krummen Rücken und überlasteten Gelenken quälen, der Körper läßt sich verändern.
Die Rolfing- Methode bietet Möglichkeiten, wieder in Form zu kommen und die körperliche und geistige Fitness zu steigern.
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*GN - Mitarbeiter Bernd Görner sprach mit dem Rolfer und Heilpraktiker Dr. Peter Schwind
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GN: Was genau versteht man unter Rolfing?
Dr. P. Schwind:Rolfing ist eine tiefgreifende Behandlung des Binde-gewebes, deren Ziel es ist, den Menschen zu einer körperlich, seelisch und geistig aufrechten Haltung zu verhelfen.
Ziel des Rolfing ist es die Körperstruktur
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zu verbessern, dass der Mensch sich müheloser im Schwerkraftfeld der Erde bewegt.
Das klassische Rolfing versteht sich allerdings nicht als Therapie, sondern als körperlich- seelische Grundlagenarbeit und Gesundheitsvorsorge.
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GN: Wie wirkt Rolfing?
Dr. P. Schwind: Zur Beantwortung dieser Frage muss ich etwas ausholen. Unser Bewegungsapparat besteht aus Muskeln, Bändern und Knochen.
Es gibt eine von Beginn jeder Bewegung vorhandene, ständig sich ändernde Grundspannung. Ausser diesem Spannungssystem gibt es aber auch noch ein zweites, das Bindegewebe.
Diese Gewebe ist im wahren Sinn des Wortes das Bindeglied der einzelnen
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Systeme, unsere Organe, Muskeln, Nerven etc. und ermöglicht deren letztendlich unserem Körper seine Form. Die Art und Weise wie beim Rolfing behandelt wird, zielt auf eben dieses Bindegewebe.
Jahrzehntelange Erfahrungen zeigen, dass der menschliche Körper und seine Struktur, die sich unter anderem in der Körperhaltung ausdrückt, durch eine bestimmte Art der Bindegewebs- manipulation sehr viel stärker veränderbar ist, als vielfach angenommen wurde.
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GN: Was passiert in einer Behandlung
Dr. P. Schwind: Wenn man bei einer Rolfing Behandlung zusieht, fällt einem sofort auf, dass der Rolfer, so nennt man den Behandler, seine Hände in einer ganz eigentümlichen Weise verwendet.
Er versucht dabei formend auf das Bindegewebe einzuwirken. Es geht nicht um die Entspannung der Muskeln, es geht darum den Muskeln ein neues Ordnungsmuster zu ermöglichen.
Bei einer Rolfing-Behandlung werden die Muskelfaszien, die zähen Fasern des
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Bindegewebes, die unsere Muskeln, Knochen und Organe umgeben, behandelt.
Sie werden an den Stellen, an denen sie verhärtet und verklebt sind, durch subtilen, manchmal auch intensiven Druck gezogen, so dass sich das Gewebe wieder öffnen kann, das Bindegewebesystem insgesamt wieder durchlässiger wird und dadurch der Körper aus allen Ebenen (Nervensystem, Atem, Kreislauf, -Stoffwechsel etc.) besser funktioniert.
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GN: Wie kommt es zu solchen Verhärtungen und Verklebungen?
Dr. P. Sachwind: Da gibt es viele Ursachen. Jeder menschliche Körper ist der Spiegel der persönlichen Gegenwart und Vergangenheit, indem sich die Verletzungen und gefühlsmässiger als auch physischer Natur zeigen.
Wenn zum Beispiel jemand einem Unfall mehrere Wochen einen Gips trägt und humpelt, dann reicht das schon aus, dass die daraus resultierenden unnatürlichen kompensierenden Bewegungsabläufe sich in einer komplexen Weise im Netzwerk der Muskelfaszien niederschlagen.
Oder wenn jemand eine Kindheit in Angst verlebt hat und in der Folge oft den Kopf zwischen die Schultern eingezogen hat,
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dann führt das im Bindegewebe zur Bildung von tiefen Dauerverspannungen, die den Körper als ganzes aus dem Lot bringen können.
In jedem dieser Beispiele verdicken sich die Muskelfaszien in einer bestimmten Körpergegenden durch akut oder dauerhaft einwirkenden Stress. Die betroffenen Muskeln verhärten sich und werden unbeweglicher, und der Stoffwechsel in diesem Bereich ist eingeschränkt.
Es entsteht eine weitere Belastung verschiedener Faszien und Muskeln durch ungleiche Spannung im Gewebe. Die wiederum veranlasst andere Körperteile zu entsprechenden Kompensationen.
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GN: Welche Rolle spielt dabei die vorhin erwähnte Schwerkraft?
Dr. P. Schwind: Die Muskelkraft und die Zug und Druckkräfte des Körperinneren sind nicht die einzigen Kräfte die auf uns wirken.
Es kommt eine Kraft von aussen hinzu, die das Ausmasss und die Richtung der im Körper wirkenden Kräfte erheblich verändert und sogar verfälscht: Die Schwerkraft.
Beim Rolfing steht die Schwerkraft im Mittelpunkt der Betrachtung der Körperstruktur.
Die Schwerkraft zieht alles zum Erdmittelpunkt, sie kann bei
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ökonomischer Körperhaltung stabilisierend und kräftigend wirken oder bei mangelnder Stütze niederdrücken und zunehmend verformen.
Wenn der Körper aus dem Lot gekommen ist, sich also die Körpersegmente verschoben haben, dann verstärkt die Schwerkraft diese negative Tendenz.
Beim Rolfing wird der Körper durch eine umfassende, sehr intensive Art der Berührung in seinen tiefen inneren Verbindungen neu geordnet, damit die Schwerkraft die einzelnen Körperabschnitte nicht zusammenstaucht sondern die Aufrichtung des ganzen Körperbaus unterstützt.
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GN: Gibt es denn eine ideale Körperhaltung?
Dr. P. Schwind: Für jeden Menschen gibt es so eine Art Richtung, in der die ideale Haltung zu bestimmen ist. Das ist im Rolfing eine senkrechte Lotlinie, die man von der Seite gesehen durch Ohr, Schultergelenk, Hüftgelenk, Kniegelenk und Sprunggelenk imaginär ziehen kann.
Wie weit der einzelne Klient in diese Richtung durch eine Behandlung geführt
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werden kann ist individuell sehr unterschiedlich.
Das hängt von seiner Berufstätigkeit ab, von der Art wie er seinen Körper gebraucht und nicht zuletzt von seiner seelischen Grundstimmung.
Wir versuchen den Klienten immer nur so weit zu führen, wie es von ihm von seinem gesamten Lebensgefühl entspricht.
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GN: Wie sieht denn so eine Behandlung aus?
Dr. P. Schwind: Ich schaue mir den Klienten zunächst einmal genau an, wie er sitzt, wie er steht, wie er sich bewegt und versuche die Hauptspannungen im Körperbau auszumachen.
Auf Grund dieser Analyse wird der Klient auf der Liege oder auf dem Hocker behandelt. Die Behandlung selbst hat man sich als eine ganz verlangsamte Massage vorzustellen.
In der ersten Sitzung werden in der Regel alle Bindegewebsschichten in der Nähe des Zwerchfells, die mit der Atembewegung zu tun haben gelöst.
Die Atembewegung ist ganz von ganz zentraler Bedeutung.
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Wenn sie nicht frei ist dann werden immer einzelne Wirbelgelenke verhängen.
Dann wird an der Hüfte gearbeitet, damit sie beweglicher wird.
In unserer westlichen Kultur haben die Leute durch das viele Sitzen fast alle steife Hüften. Das hat Folgen für die ganze Köperstatik. Am Ende fast jeder Sitzung kommt man dann in der Regel dazu, den Nacken zu behandeln.
Der Nacken sitzt ganz oben und nimmt deshalb alle Verschiebungen auf und gleicht sie aus. Ein Behandlungzyklus besteht aus zehn Sitzungen, die jeweils gut eine Stunde dauern und jeweils ein klar vorgegebenes Behandlungsziel haben.
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GN: Und wie erlebt der Klient die Wirkung seiner Behandlung?
Dr. P. Schwind: Die Behandlungen werden subjektiv sehr unterschiedlich erlebt. Mache Menschen durchleben eine sehr wohltuenden Prozess, andere berichten von spannungslösendem Schmerz, wieder andere erleben eine meditative Ruhe und Erleichterung.
Die meisten erleben nach der Behandlung ein neues Körpergefühl, gehen aufrechter, oft gewinnen sie an Körpergrösse.
Die Bewegungen werden müheloser und anmutiger.
Viele berichten auch über Veränderungen im seelischen Bereich, dass sie sich auch
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seelisch aufrechter fühlen.
Wenn sich Spannungen im Körperbereich auflösen, ist die in der Regel mit einem Abbau gespeicherter chronischer Spannung im autonomen Nervensystem verbunden.
Es kommt zu einer Lösung, die dort in einem Gleichgewicht mündet, was der Mensch als friedvoll und beglückend erlebt.
Manche der Verschiebungen haben keinen biomechanischen Ursprung, sondern sind Ergebnisse von seelischen Grundstimmungen.
Wichtig ist es, dass der Behandler so rolft, dass die Seele mitkommt.
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GN: Stimmt es dass eine Roflingbehandlung recht schmerzhaft sein kann.
Dr. P. Schwind: Rolfing ist zweifellos eine sehr intensive Behandlungstechnik.
Der Orthopäde Dr. Klingelhöfer hat es einmal so formuliert: "Die Berührung ist so sensibel wie die eines Uhrmachers,
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Darin liegt die Kunst der Methode." Viele unsrer Techniken fühlen sich angenehm an, manche sind schmerzhaft.
Es sollte aber immer ein spannunglösender Schmerz sein. Daran erkennt man den Meister der Methode.
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GN: Reicht ein Behandlungzyklus aus um chronische Beschwerden zu beseitigen?
Dr. P. Schwind: Die Ergebnisse von Rolfing sind erfahrungsgemäss dauerhaft. Die Grundserie von zehn Behandlungen dient dazu, die Spannungen in allen Teilen des Körpers aufzusuchen.
Wir arbeiten mit der Atembewegung, mit der Statik der Beine, mit dem Rücken, mit dem Bauchraum, sogar mit dem Kiefergelenk und dem Kopf und versuchen die Behandlung so zu gestalten, dass für den jeweiligen Klienten das augenblickliche Optimum an Aufrichtung erreicht wird.
In der Regel regeneriert sich der Körper danach von selbst. Der Organismus wandelt sich unter den Händen des Behandlers,
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es bedarf auch der eigenen Bewusstheit des Behandelten, um den in den Sitzungen erhaltenen Impuls aufzunehmen und im täglichen Leben weiterzuführen.
Zusätzlich zur Behandlung des Bindegewebes bekommt deshalb mancher Klient ein individuelles Mini- Übungsprogramm mit auf den Weg, damit der Erfolg der Behandlung auch dauerhaft ist.
Rolfing ist also nicht nur das Handwerk sanft - intensiver Bildhauerarbeit am Körperbau, es funktioniert nur im Miteinander.
Heilen kann sich der Behandelte nur selbst, nachdem der Behandler den richtigen Impuls zu Reorganisation des Organismus gegeben hat.
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GN: Mit welcher Art von Beschwerden kommen ihre Klienten zu Ihnen?
Dr. P. Schwind: Die Motive, die Menschen zum Rolfing bringen sind sehr unterschiedlich.
Manche erwarten eine bessere körperliche Grundlage für seelische Bereiche, andere haben eher berufliche Motive, zum Beispiel Sportler, Schauspieler oder Musiker, die ein betontes Interesse am Einsatz ihres Körpers haben.
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Viele Menschen werden vom Orthopäden mit Rücken-, Nacken- oder Kopfschmerzen zu mir in die Praxis geschickt.
Rolfing ist aber auch eine sehr wirksame Reha-Massnahme nach Schleudertrauma oder nach Knochenbrüchen.
Viele Klienten gehören zur Gruppe der verspannten Durchschnittsmenschen, die etwas für ihr körperliches, emotionales und mentales Wohlbefinden tun wollen.
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GN: Seit wann gibt es die Rolfing- Methode?
Dr. P. Schwind: Die amerikanische Biochemikerin Dr. Ida Rolf, nach der die Methode benannt ist, hat bereits in den 30-er Jahren die Methode der "Strukturellen Integration" entwickelt, nachdem sie sensitiv über die physiologische Beschaffenheit des Körpers geforscht hat.
Sie hat herausgefunden, dass nicht nur
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die Muskeln, sondern auch die Bindegewebshüllschichten für die Spannungsverhälnisse im Körper eine sehr grosse Rolle spielen.
Das besondere Element in ihrer Arbeit ist die Einbeziehung der Schwerkraft, die von den meisten therapeutischen Ansätzen ausser Acht gelassen wird, obwohl diese Kräfte das Leben des Menschen wesentlich prägen.
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GN: Was ist der Unterschied zwischen einer herkömmlichen Massage und Rolfing?
Dr. P. Schwind: Der Rolfer arbeitet im Gegensatz zum herkömmlichen Masseur ohne Massageöl.
Mit trockenen Händen ist es möglich, die zähen Faszien zu erreichen und dort die tiefsitzenden Spannungen zu lösen.
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Beim Rolfing wird oft nicht direkt an den
Körperregionen gearbeitet, wo die Schmerzen lokalisiert werden.
Jemand hat beispielsweise Schulterschmerzen und ich arbeite an den Beinen um die Koordination des Körpers zu korrigieren, so dass die Schulter sich von selbst einrichtet.
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GN: Erkennt die Schulmedizin Rolfing als effektive Behandlungsmethode an?
Dr. P. Schwind: Früher gab es grosse Widerstände und viele Ärzte waren sehr skeptisch. Mittlerweile arbeiten wir oft mit
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Orthopäden und Fachärzten aller Richtungen, die uns ihre Patienten schicken. Es gibt sogar Ärzte die selbst nach der Rolfing-Methode behandeln.
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GN: Wie sind sie selbst zum Rolfing gekommen?
Dr. P. Schwind: Ich war ursprünglich Psychotherapeut und habe Rolfing als Ergänzung zur Psychotherapie in den USA kennengelernt.
Das hat mich selbst dermassen beeindruckt, dass ich mich schliesslich für das Handwerk Rolfing und
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gegen etwas so unendlich kompliziertes wie die Psychotherapie entschieden habe.
Ich hatte das Gefühl, beim Rolfing kann man im Gegensatz zur Psychotherapie zwar nur kleine Brötchen backen, aber die sehr gut.
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